Wie viele Paar Socken haben Sie? Nicht gerade eine Gretchenfrage, oder? Für mich schon. Ich besitze 12. Und 12 Unterhosen. Und 12 Hosen. Und 12 Hemden. Und 24 T-Shirts. Und 6 Paar Schuhe. Und so weiter. Am liebsten hätte ich von allem 10 Stück. Auch 20 wären okay. Ich bin ein Sympathisant runder Zahlen. Leider hat der Hersteller meiner bevorzugten Socken-Marke vor einer Weile beschlossen, voll auf das 3er-Pack zu setzen. Puh(ma)! Deswegen konnte ich ja schliesslich nicht einfach aus den Socken kippen. Ein Kompromiss musste her. Nun lässt sich meine Garderobe schön durch 3 teilen.

Die Quadratur des Configlases

Wie viele Zentimeter Abstand haben in Ihrer Behausung die Stühle zum Esstisch? Jetzt wirds ein bisschen verquer, ich weiss. Für quer habe ich aber eben gar nicht viel übrig. 10 Zentimeter. So weit von der Tischkante entfernt stehen unsere Sitzgelegenheiten. Perfekt zueinander ausgerichtet, versteht sich. Wie eigentlich alles. Vom Abtropfsieb bis zur Zierpflanze, vom Alpkäse bis zur Zahnpastatube: was es in den Haushalt schafft, wird in Feinarbeit platziert. Ein asymmetrischer Gegenstand kann da schon mal eine kleinere Sinnkrise auslösen. „Schatz, weli Confi söli näh?“, fragt mich meine Freundin beim Einkauf. „Am liebschte Die im rächteggige Glas“, antworte ich ihr.

Lieber schräg im Oberstübchen als schräg in der Stube

Wie viele Tassen habe ich im Schrank? Definitiv nicht alle. Zumindest denken Sie das jetzt wahrscheinlich. Ich kanns verstehen. Für mich gehört dieser Zwang nach Ordnung zum Daily Business. Das ganze Mitgefühl gebührt meiner Freundin. Nicht wegen der Confi. Die im rechteckigen Glas schmeckt prima. Aber welcher Mensch, der halbwegs bei Verstand ist, schlägt sich freiwillig mit einem Partner herum, der rumzickt, nur weil Salz- und Pfefferstreuer schief in der Gewürzschrank-Landschaft stehen? Anstatt mich dafür ins Pfefferland zu wünschen, bastelt sie mir eine Schablone für meinen kleinen Inventarfehlstellungskummer zwischendurch.

Pedanterie als Luxus

Wie viele Leute haben die Geduld, sich einen derartig anstrengenden Wohngefährten „anzutun“? Nicht viele! Im Gegensatz dazu sind solche Zwänge gemäss Experten im Schweizer Alltag verbreiteter, als man meinen könnte. Ich vermute unseren Wohlstand als zentrale Erklärungskomponente. Müsste ich mir morgens Sorgen machen, dass abends jeweils Essen auf dem Tisch steht, würde ich kaum wert darauf legen, wie exakt dieses Essen auf eben diesem Tisch arrangiert ist. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein Flüchtling in einer Notunterkunft den Drang verspürt, sein bescheidenes Hab und Gut orthogonal einzurichten.

Ich komme gleich!

Deshalb würde ich auch nie von einem Leiden sprechen. Vielmehr ist dieser Zwang eine Charaktereigenschaft von mir. Und ich versuche, ihm Positives abzugewinnen. Wer hat schon etwas gegen einen Texter, der sich in besonders pingeliger Manier auf die Suche nach Flüchtigkeitsfehlern begibt? Steht Spontanbesuch vor unserer Türe, muss ich auch keinen peinlich berührten Versuch unternehmen, die Wohnung innert zwei Minuten auf Vordermann bringen zu wollen. Das ist sie. Immer. Einem zwanglosen Beisammensein steht nichts im Weg. Vorausgesetzt, der Besuch kommt nicht auf die Idee, den Hausrat in der Gegend herumzurücken.