2016. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Zweitausendsechzehn. Ich denke wie jedes Jahr an mein 1990er-Ich zurück, welches „Back to the future“ verehrte und unbedingt wie Marty McFly sein wollte. Ernüchtert stelle ich fest, dass Autos auch 16 Lenze diesseits des Millenniums immer noch nicht fliegen können. Wann endlich fasst sich irgend so ein ETH-Genie den Vorsatz, Doc Browns kultigen Delorean nachzubauen?

Starbucks verleiht Stabilitääät

A propos Vorsatz: Es ist Neujahr. Zeit, mal wieder ein vollkommen neuer Mensch werden zu wollen. Ich muss an die stattliche Dame denken, die gestern vor mir beim Einsteigen ins Tram kurz im Treppengeländer stecken geblieben ist. Fast wäre dabei der Starbucks-Kübel runtergefallen, den sie so liebevoll an ihren wogenden Busen gedrückt hielt. Ich muss abnehmen! Mein wippendes Wohlstandsbäuchlein könnte Karriere als Seismograph machen. Der Geist ist willig, aber das Fleisch – ja, das liebe Fleisch schmeckt so gut. Wie erkläre ich es am besten? Ein Burger mit Käse, Speck und Fritten ist mir lieber als eine Frau mit wohlgeformten … pardon. Und sowieso: mit mehr Kilos steht man auch viel stabiler im Leben. Ich nehme also nicht ab.

Vorsatz mit „Nachbrand“

In meinen Gedanken begegne ich den Promille-Proleten, die mir nachts auf Zofingens Pflastersteinen entgegentorkeln. Ich muss weniger trinken! Allerdings trinke ich fast nichts. Meine Familie rät mir sogar, hin und wieder etwas tiefer ins Glas zu schauen. Damit ich lockerer werde, sagen sie. Wenn sie meinen. So nehme ich mir sportlich vor, 2016 mehr zu trinken. Sportlich ist das richtige Stichwort: Nach einem engagiert-verzweifelten morgentlichen Spurt an den Bahnhof wünsche ich mir jeweils nichts sehnlicher als eine Stippvisite im Sauerstoffzelt. Ich muss mehr Sport treiben! Wobei. Dann habe ich womöglich nicht genug Zeit für mein potenzielles neues feuchtfröhliches Hobby. Auch wahr. Ich intensiviere also mein Sportprogramm nicht.

Beim nächsten Ton ist es …

Kürzlich habe ich gelesen, dass im Geschlechtervergleich zwei andere Neujahrsvorsätze noch verbreiteter sind. Frauen wollen ihr Zeitmanagement optimieren. Soll das ein Scherz sein? Daran gibt es nichts zu optimieren! Ich begründe dies mit einem Zitat meiner wohnungseigenen Stichprobe: „Am Obe muessi länger schaffe. Nach de Physio chönnti no is Fitness. D’Wösch sötte mer ou mache, am beschte nach em Znacht. Ah genau, s’Poschte hani vergässe. Es chonnt öbrigens e coole Föum. De Metarbeiterfrogeboge chani jo schpöter usföue. Ond [hier steht der Name von einer der gefühlt 10 besten Freundinnen] lüütet mer no a. Aber gäu, höt gömmer mou es betzeli früehner is Bett?“ Sicher doch Schatz. Um 27 Uhr!

Zeit, rein gar nichts zu ändern

Die Männer legen die Messlatte übrigens kein bisschen tiefer. Sie sehnen sich nach mehr Erfolg im Beruf. Jungs, hört auf, ständig nach der Weltmacht zu streben! Überdenkt stattdessen eure Definition von beruflichem Erfolg. Meiner Meinung nach hat man solchen, wenn man morgens mit Freude hingeht. Das tue ich. Alles andere in meinem Leben tue ich eigentlich auch ganz gerne. Und das, was ich nicht mache, mache ich bewusst nicht. Die Würfel sind gefallen. Ich bleibe auch 2016 vorsatzlos glücklich.