Sayonara! Um es in den Worten des deutschen Jakobswegbegehers Hape Kerkeling zu sagen: Ich bin dann mal weg. Also wir sind dann mal weg. Ohne „wir“ kein „weg“. Eine Reise nach und durch Japan wäre für mich ohne freund(in)liche Begleitung so wahrscheinlich wie ein YB-Meistertitel (als aargauischer Gastarbeiter, der sich „gäng“ fiese Sprüche über Zofingen gefallen lassen muss, darf ich das sagen). Dabei ähnelt das Leid meiner Liebsten als Co-Reisende der Qual vieler Anhänger der jungen Boys lustigerweise sehr. Sie wartet. Meiner Fotografie-Marotte sei dank. Versuche ich an der nächtlichen Algarve eine Stunde lang einen Kirchturm im Mondlicht in Szene zu setzen, sitzt sie nebenan mit zittrigem Oberkörper und blau angelaufenen Lippen auf einer Parkbank. Und wartet. Sehne ich in Rom vor dem Kolosseum eineinhalb Stunden lang die Abendsonne herbei, steht sie unweit mit Blasen an den Füssen und Sonnenbrand auf der Stirne unter einer Pinie. Und wartet.

„Möchten Sie Lachs zum Ihrem Orangensaft?“

Nicht lange warten musste beim stürmischen Whale Watching in der kanadischen Bay of Fundy übrigens ihr Mageninhalt. Auf vorzeitige Entlassung. Damals erfuhren ich und stellenweise meine Schuhe, dass meine Freundin das Reisen auf wackeligen Booten nicht mag. Wie ich das Reisen in der Luft. Ohne Beistand der Pharmabranche würde ich in kein Flugzeug sitzen. Auf unserem letztjährigen Flug an die Sonne Ibizas hatten meine Tabletten etwas komplett anderes mit mir vor als ich. Ich wollte schlafen. Sie wollten, dass ich das Onboard-Entertainment-System ersetze. Ich habe einen Filmriss. Aus Erzählungen weiss ich jedoch Folgendes: Ich erklärte sowohl der Flugbegleiterin als auch einer Gruppe von Passagieren in aller Vehemenz, dass ein Glas Orangensaft nur richtig schmeckt in Kombination mit einer Tranche Lachs. Dabei habe ich Lachs nicht mal gerne! Jedenfalls hatte meine peinlich berührte „Betreuerin“ in der angeblich 20 Minuten dauernden Odyssee mich nicht besonders gerne.

(Ehe-)Ring frei!

Ich traue der Stochastik mehr als dem Schicksal. Die Wahrscheinlichkeit jemanden zu finden, der all das mitmacht, ist verschwindend klein. Meine Freundin tuts seit acht Jahren. Wir werden oft gefragt, wann wir heiraten. Wann wir endlich heiraten. Die Frage ist berechtigt. Wir sind schliesslich beide in den 30ern angekommen und haben uns weder vermählt noch vermehrt. Mache ich im selben Tempo weiter, erlebe ich meine Midlife Crisis erst nach der Pensionierung. Soll ich meine Herzdame mit einem Antrag inmitten der Wolkenkratzer Tokios auf Wolke sieben befördern? Sie würde vermutlich aus allen Wolken fallen und mich als Tokidioten stehen lassen. Schulter an Schulter ergötzen wir uns fast jedes Wochenende direkt von unserer Wohnung aus dem standesamtlichen Treiben. Neulich stolzierte ein mutmasslicher Polizist mit einem weiblichen Traum in Ecru durch eine Allee johlender „Freunde und Helfer“, um am Spalierende weissen Tauben temporäre Freiheit zu schenken. Danach musste der Bräutigam um die Angebetete ringen. Wortwörtlich. Auf Pflastersteinen. Und jetzt kommts: In einem aufblasbaren Sumo-Kostüm! Nach gewonnenem Kampf und Schnupftabak für alle zogen respektive fuhren die Protagonisten im mintgrünen Cadillac-Cabrio von dannen. Mit ihnen der letzte Rest Hochzeitslust unsererseits.

Bei gutem wie bei schlechtem Magenbefinden

Das BFS verzeichnet in der Schweiz aktuell einen Hauch von Ehe-Trend. Ganz gegen den Strom schwimmen möchten wir denn doch nicht. Deshalb haben wir uns überlegt, zumindest eine Nicht-Hochzeitskarte zu verschicken: „Don’t save the date“; oder „Wir heiraten nicht“ mit der Anmerkung „aus steuertechnischen Gründen“. Ich freue mich für alle, die an der eigenen Hochzeit ihren gefühlt oder gehofft schönsten Tag erleben. Und ich würde fast darauf wetten, dass wir unsere Meinung eines Tages ändern. Im Moment sagen wir uns aber oft genug „Ja“. Meine Freundin das eine oder andere Mal mehr als ich. Nicht explizit, aber unmissverständlich. Zum Beispiel auf den Wellen des Atlantiks mit einer Kotztüte für den Eigengebrauch in den Händen, oder hoch über dem Atlantik mit einer für mich.